Führungsgruppe Katastrophenschutz – Aktueller Lagebericht aus dem Landkreis Lindau (Bodensee)

18.11.2021 Lindau (Bodensee). Seit Februar 2020 gibt es den Krisenstab „Corona“ der nun zum dritten Mal im Rahmen des Katastrophenfalls in die Führungsgruppe Katastrophenschutz überführt wurde.

Diese tagt je nach Lage in unterschiedlicher Besetzung. Am Mittwochnachmittag hat sich in einem Online-Meeting die Führungsgruppe Katastrophenschutz in großer Besetzung getroffen und sich über die aktuelle Lage im Landkreis ausgetauscht.

„Seit Wochen steigen die Infektionszahlen massiv an und die Labore übermitteln die Befunde aus den PCR-Testungen mit immer längerer Verzögerung. Die Zahlen sind also de facto noch höher“, eröffnete Landrat Elmar Stegmann die Lagebesprechung.

Er bedauert sehr, dass noch immer auf Bundes- oder Landesebene keine, die Infektionen nachhaltig eindämmenden Maßnahmen getroffen werden.

Die Ausrufung des Katastrophenfalls erleichtere zwar die Organisation von Krankenhausverlegungen oder den Wiederaufbau der Impfmöglichkeiten, verhindere aber keine einzige Infektion, so der Landrat.

„Mein dringender Appell an alle Bürgerinnen und Bürger: Es ist so ernst wie bisher noch nie in der Pandemie. Jeder einzelne muss nun handeln! Verzichten Sie bitte auf jeden unnötigen Kontakt, tragen Sie eine FFP2-Maske und alle, die noch nicht geimpft sind – lassen Sie sich impfen! Ohne Maßnahmen steuern wir direkt in eine absolute Notlage.“

So ist die aktuelle Situation im Landkreis Lindau (Bodensee):

Lagebericht Kliniken – Bereits jetzt sind Betten knapp und Prognosen gehen von einer Verdoppelung der Patienten innerhalb der nächsten zwei Wochen aus / Dringender Aufruf an Pflegekräfte, sich in den beiden Krankenhäusern als Unterstützung zu melden.


Informiert haben
Gerhard Zipperlen, Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordinierung ZRF Allgäu
Dr. Martin Hessz, Ärztlicher Leiter Rotkreuzklinik Lindenberg
Dr. Fabian Heuser, Ärztlicher Leiter Asklepios Klinik Lindenberg

Im gesamten Allgäu, aber auch in vielen Teilen Bayerns gibt es bereits große Probleme bei der Versorgung und Weiterleitung der Patienten. Routineeingriffe gibt es derzeit fast keine mehr. Betroffen sind damit auch viele Menschen, die nun aufgrund von Corona-Belegungen nicht weiterbehandelt oder operiert werden können.

Abverlegungen finden statt, werden aber zunehmend schwerer, da viele Kliniken bereits voll sind. Das „Kleeblatt-Verfahren“, das auch Abverlegungen in andere Bundesländer vorsieht, hat der Freistaat derzeit noch nicht frei gegeben und der Einbezug von Pflegeheimen oder Privatkliniken ist aufgrund der fachlichen Anforderungen an Intensivpflegekräfte, die in erster Linie benötigt werden, aktuell wenig zielführend.

Prognostiziert ist aufgrund der jetzigen Infektionszahlen eine Verdoppelung der Patienten innerhalb der nächsten zwei Wochen.

Die Bevölkerung wird dringend gebeten, bei Erkrankungen, die ambulant behandelt werden können und nicht lebensbedrohlich sind, am Wochenende und am Abend über die Telefonnummer 116117 auf den qualifizierten Notdienst der Ärzte zurückzugreifen – auch bei gegebenenfalls etwas längeren Wartezeiten.

Aufruf zur Hilfeleistung
Die Ärztlichen Leiter der beiden Kliniken rufen Pflegekräfte, die nicht mehr im aktiven Dienst sind, auf, sich zur Unterstützung direkt in den Kliniken zu melden. Insbesondere Intensivpflegekräfte werden dringend gebraucht.


Lagebericht Rettungsdienst – Kapazitäten im Rettungsdienst sind aktuell stark gebunden
Informiert haben
Michael Fackler, Integrierte Leitstelle Allgäu
Roman Gaißer, Bayerisches Rotes Kreuz


Die Lage ist aktuell sehr herausfordernd, aber noch beherrschbar. Insbesondere Intensiverlegungen sind sehr anspruchsvoll.

Problematisch ist, dass es nicht nur viele Abverlegungen gibt, sondern diese oftmals in weiter entferntere Kliniken erfolgen und dies die Kapazitäten im Rettungsdienst zusätzlich bindet. Hinzu kommen aktuell immer wieder auch krankheitsbedingte Personalengpässe.

Auch der Rettungsdienst bittet die Bevölkerung dringend, diesen nur in wirklichen Notfällen zu alarmieren.

Lagebericht niedergelassene Ärzte – Viele Erkältungserkrankungen und kaum Kapazitäten für Impfungen

Informiert haben
Dr. Franz-Joseph Sauer, Gesundheitsnetz Westallgäu e.V.
Matthias Pfeifer, Ärztegemeinschaft „AGiL“ in Lindau e.V.
Die Praxen sind derzeit voll mit Patienten mit Erkältungserkrankungen. Fast jede zweite Erkältung ist derzeit eine Corona-Infektion. Auch Impfdurchbrüche werden vermehrt festgestellt – allerdings sind diese meist mit mildem Verlauf.

Trotz Sonderschichten kann derzeit die große Impfnachfrage nicht vollständig bedient werden. Die Impftermine in vielen Praxen sind bereits bis ins neue Jahr hinein vergeben. Engpässe gibt es auch hier im Bereich des Personals, unter anderem da derzeit auch krankheitsbedingt Mitarbeiter ausfallen.

Bei den Auffrischungsimpfungen halten sich die niedergelassenen Ärzte weiterhin an die STIKO-Empfehlungen und die Empfehlungen der Impfstoffhersteller. Ein „Off Label Use“ (Abweichende Anwendung von der Herstellerempfehlung) wird nur in medizinisch begründeten Einzelfällen vorgenommen.

Dies führt bei Patienten zu Unverständnis und Diskussionen und bindet Zeit, die sowieso aktuell in den Praxen kaum vorhanden ist.


Lage im Impfzentrum – Starke Nachfrage / Auffrischungsimpfungen in der Regel erst nach 6 Monaten möglich / Große Impfaktion auf Ende November geplant

Informiert haben
Dr. Klaus Adams, Vorsitzender Ärztlicher Kreisverband und Ärztlicher Leiter der Impfzentren
Wolfgang Strahl, Organisatorischer Leiter der Impfzentren und des Bayerischen Testzentrums, Allgäu Medical Service GmbH

Auch das Impfzentrum hält sich konsequent an die STIKO-Empfehlung und die Angaben der Hersteller. Außer in medizinischen Ausnahmefällen impft daher das Impfzentrum erst nach Ablauf von 6 Monaten zum dritten Mal.

Die Gründe sind wie bei den niedergelassenen Ärzten auch:

Bei Drittimpfungen unter 6 Monaten handelt es sich um einen sogenannten „Off Label Use“, d.h. die Herstellerempfehlung sieht eine andere Anwendung vor.
Die STIKO empfiehlt Auffrischimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff für Personen ≥ 70 Jahre und für bestimmte Indikationsgruppen sowie eine Optimierung der Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff nach vorausgegangener Impfung mit der COVID-19 Vaccine Janssen.

Außerdem könnte das Impfzentrum organisatorisch die mehreren tausend Drittimpfungen nach 5 Monaten nicht auf einmal stemmen. Dies ginge dann zulasten von Menschen, die bereits vor 6 Monaten geimpft wurden und aufgrund ihres Alters oder einer Vorbelastung gefährdeter sind.

„Es war eine falsche politische Weichenstellung, die Impfzentren herunterzufahren“, erläutert Landrat Elmar Stegmann. „Wir haben das Impfzentrum in Lindenberg in der Hinterhand gehalten und das zahlt sich jetzt aus. Trotzdem braucht es Zeit, die Kapazitäten überall wieder hoch zu fahren. Die politische – nicht medizinische – Empfehlung einer Auffrischungsimpfung nach 5 Monaten verunsichert die Menschen und ist organisatorisch so nicht umsetzbar“.

Aktuell gibt es im Landkreis bereits etwa 4.000 Menschen, die laut STIKO-Empfehlung eine Drittimpfung erhalten sollten und täglich kommen weitere hinzu. Und auch Menschen, die eine Erst- oder Zweitimpfung brauchen, sollten möglichst schnell einen Impftermin erhalten. Deshalb wird in beiden Impfzentren im Landkreis weiterhin massiv Personal aufgebaut. Für Ende November ist außerdem eine große Impfaktion geplant und die mobilen Teams werden auch wieder in die Gemeinden vor Ort gehen. Ausreichend Impfstoff ist vorhanden. Nähere Informationen dazu folgen.

Impfungen werden im Impfzentrum derzeit nur noch mit Terminvergabe durchgeführt. Die Gründe sind:

Vermeidung von langen Wartezeiten. Die Menschen müssten ansonsten unter Umständen in kalter Witterung draußen längere Zeit warten. Aktionen in anderen Landkreisen haben gezeigt, dass Impfangebote ohne Terminvergabe zu langen Warteschlangen geführt hat und nicht immer ausreichend Impfstoff vorhanden war. „Wir wollen niemanden ungeimpft wegschicken müssen“, erläutert Landrat Stegmann.
Vermeidung von Menschenansammlungen. Mit Terminvergabe werden die Impfungen auf mehrere Stunden verteilt. Es kommt zu keinen Stoßzeiten.
Steuerung der Impfungen, so dass die STIKO-Empfehlung eingehalten werden kann.

Termine sollten wenn möglich online unter www.impfzentren.bayern.de gebucht werden. Hier sind aktuell Termine bis 18.12.2021 frei geschalten.


Lage an den Schulen – Spannungsfeld zwischen „Normalbetrieb“ und steigenden Infektionszahlen
Informiert hat
Simone Wenzel, Staatliches Schulamt
Die Schulen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen „normalem Betrieb“ und steigenden Infektionszahlen. Distanzunterricht gibt es aktuell nur in Klassen, die von Quarantäne betroffen sind.
Die PCR-Pooltestungen an den Grundschulen laufen gut. Zusätzlich testen viele Schulen parallel mit Selbsttests um die Sicherheit noch zu erhöhen. Es werden bei den Schultestungen immer wieder Infektionen entdeckt. Dies sind jedoch Einzelfälle. Es zeichnet sich aktuell ab, dass Ansteckungen oftmals im familiären Umfeld stattfinden und die Kinder frühzeitig zu Hause bleiben.

Die Auffrischungsimpfungen für Lehrkräfte sollen nach Ablauf der 6 Monate zeitnah stattfinden. Termine werden zwischen den Schulen und dem Impfzentrum vereinbart.


Lagebericht der Polizei – Kontrollen werden massiv verstärkt
Informiert hat
Thomas Steur, Polizeiinspektion Lindau
Die Polizeiinspektion hat Verstärkung erhalten und intensiviert massiv die Kontrollen zur Einhaltung der 2G-Regel. Diese sollen täglich erfolgen und zwar auch in Betrieben außerhalb der Gastronomie.

Landrat Elmar Stegmann hat den Vertretern der Hilfsorganisationen für die bisherige Unterstützung gedankt: „Wir haben bisher in der Pandemie von den Hilfsorganisationen großartige Unterstützung erhalten, beispielsweise bei den Weihnachtstestaktionen für Pflegeeinrichtungen, bei der Kontaktpersonennachverfolgung, beim Versand von FFP2-Masken für Einrichtungen und Kunden des Jobcenters. Wichtig ist mir trotzdem, dass wir das Ehrenamt nicht überstrapazieren – auch mit Blick nach vorn, denn wir wissen nicht, was noch kommt.“ Auch den Gemeinden hat er gedankt für die Begleitung der bisherigen und zukünftigen Impfaktionen vor Ort.

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